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BLITZBLAU
Jule Kupper
Ich habe einen einäugigen Freund. Niemand weiß davon, er sieht eigentlich ganz normal, ja, zweiäugig aus. Aber ich habe es mit eigenen Augen gesehen, dass er eben nur eines hat, ein strahlend blaues.
Das erste Mal ist es mir im Seminar aufgefallen, er lehnte sich so zurück und hob den Arm, der seinen Kopf einrahmte und nur einen Ausschnitt auf sein Gesicht zuließ, in seinem Gesicht ein Auge. In der Bahn ist es mir wieder begegnet, am Fenster, im Gang und einmal auf einer Wiese.
Als Kind habe ich ein einäugiges Pferd gekannt, in der Höhle des fehlenden Auges wuchs Fell. Ganz zartes Fell, das sich vorsichtig auf die leere Haut gelegt hatte. In der Mulde zuckte es ständig, so als wäre das Auge noch da. Aber das Pferd war einseitig blind und um alles zu sehen, musste es den Kopf drehen oder sich umwenden. Ich weiß nicht, ob das Pferd von seiner Einäugigkeit wusste oder ob es nur vom schwarzen Fleck, von der ausradierten Fläche eine Ahnung hatte.
Der Freund, der eigentlich eher ein Bekannter ist, die Freundschaft führe ich vor allem mit seinem Auge, weiß nichts von seinem Zustand. Ich jedenfalls weiß es genau, weil meine beiden Augen nämlich immer ganz groß und offen werden, wie ich erschrecke, wenn er sein eines Auge zeigt, da reiße ich alles auf und laufe weg und renne und renne und denke den ganzen Tag nur noch über den hellblauen Himmel nach.
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